Rothenfluh | Das Hutzgüri war los

Warmer Fleischkäse, Wienerli, Gutzi, Bier, Wein und gebrannte Wasser – serviert mit einem Röhrli –, das Hutzgüri und seine Gesellen liessen es sich am Freitag gut gehen. An zehn Haustüren machten die Heischegestalten Halt.

ch. Sehr hungrig, sehr durstig und kein bisschen leise – so kennt und schätzt Rothenfluh sein Hutzgüri. Am Freitag war es zum 17. Mal unterwegs: an der Kette vom Schärmuser, begleitet vom Bott und den beiden Eierwybli und gefolgt von einer grossen Traube Schaulustiger.

Als Gentleman der alten Schule schüttelte «Opfer» und Gastgeber Nummer sieben, Fritz Howald, dem Hutzgüri und seinen Gesellen die Hand, ehe er die urchige Bande zu seinen Kostbarkeiten bat. Die Oldtimer britischer Herkunft hatte der legendäre Töff-Schrauber blitzblank poliert und in der Garage im Schein von Neonlicht aufgereiht. Nur das beste Stück des Mechanikers fehlte: «Meine Frau kommt nicht runter. Sie hat Angst, ihr nehmt sie mit», scherzte Howald, ehe er Speis und Trank servierte – so wie es die unfreiwilligen Gastgeber vor ihm getan hatten und es die nach ihm tun würden.

Proviant auf den Weg
Denn auch Howald wusste: Gut Kirschen essen ist mit dem Hutzgüri nicht. Wer nicht wie gefordert «Chees, Wy und Beeri» rausrückt, muss damit rechnen, dass ihm Hutzgüri und Co. die Katzen streckt oder – noch schlimmer – das Dach abdeckt. So übergab er den Gestalten nach deren schaurig-schönem Heische-Vers artig etwas Proviant mit auf den Weg.

So oder ähnlich spielten sich am vergangenen Freitag neun von zehn Heimsuchungen ab, bei denen dem Hutzgüri die Tür geöffnet wurde: Ein lauter Auftritt, ein lärmendes Geschüttel, ein mehr oder minder eiliger Schluck Wein durchs Röhrli gezogen und Worte der Freude auf der einen und des Dankes auf der anderen Seite. Das Hutzgüri hat sich endgültig in die Herzen der Rothenflüher geschüttelt und gebettelt.

Mit offenen Armen
Die Bilanz von Hutzgüri & Compagnons fiel nach dem jüngsten Umgang in Rothenfluh denn auch positiv aus: Die fünf Gesellen seien mit offenen Armen empfangen worden und die Dorfjugend, die dem Spektakel beiwohnte, hätte die Heischegestalten weniger penetrant gepiesakt als in vergangenen Jahren. Auch die Gastgeber waren bester Laune. Das bestätigen die Müsterchen aus den Gesprächen zwischen Besuchern und Besuchten. Hier ein Auszug: «Euer Besuch war mir eine Ehre!» (Toni Nyffeler, alt Kirchenpflegepräsident.) «Wie mache mers mit em Fleischchees?» (Iris Gass, bessere Hälfte vom heimgesuchten Metzger Heiri.) «I wünsch Euch no gueti Gschäft!» (Fritz Sutter, alt Wegmacher.) «Halbpriis-Biberli? Dä chasch aber nid bringe!» (Hutzgüri, anlässlich seiner «Chesi»-Heimsuchung.) «Wer nimmt no nes Wienerli?» (Naatsi Leutwyler, alt Störmetzger.) «Iilade das Züüg!» (Bott, bei Fredy Heinzelmann, der sich mit einem hübsch gedeckten Tisch und einem Brieflein für seine Abwesenheit entschuldigte.)